Abra-Guard Aramid Motorrad Unterwäsche im Test

Abra-Guard Aramid (Kevlar) Unterwäsche im Test

Mit Aramid-Unterwäsche (bzw. Kevlar Unterwäsche) machst du jedes Kleidungsstück Motorrad-tauglich. Ich fahre seit 3 Jahren mit reißfester Aramid-Unterwäsche von SGS Abra-Guard. Zeit, meine Erfahrungen in einem ausführlichen Kevlar/Aramid-Unterwäsche Test festzuhalten. Und was der Unterschied zwischen Aramid und Kevlar ist, erkläre ich euch dabei auch.

Inhalt

Kurz nach meiner bestandenen Motorradführerscheinprüfung war ich auf der Suche nach einer alltagstauglichen Motorradhose. Das bedeutete für mich vor allem, dass man der Hose ihre Eigenschaft nicht sofort ansehen sollte. Ich wollte sie im Büro und zum Einkaufen tragen können.

Die Auswahl an Motorradjeans war vor einigen Jahren noch ziemlich mau (das hat sich zum Glück geändert). Deswegen habe ich mich damals für eine lange Kevlar Unterhose (LongJohns) aus Aramid-Faser von SGS Abra-Guard entschieden.

Von den Erfahrungen, die ich seitdem bei Wind und Wetter mit den LongJohns gemacht habe, berichte ich gleich.

Doch zunächst gilt es ein bisschen Überblick in die Benennung Kevlar vs. Aramid zu bringen.

Was ist der Unterschied zwischen Kevlar und Aramid?

Taschentücher vs. Tempo
Kleber vs. Uhu
Klebestreifen vs. Tesa
Aramid vs. Kevlar

So ähnlich kann man es beschreiben. Der Unterschied zwischen Kevlar und Aramid ist der Name.

Aramid ist eine reißfeste, synthetische Faser. Kevlar ist der eingetragene Markenname eines Aramid-Gewebes der Firma DuPont. Irgendwie hat sich die Benennung Kevlar durchgesetzt. Ob die Motorrad Unterwäsche laut Hersteller aber aus Kevlar oder Aramid besteht, macht keinen Unterschied. Es meint das gleiche.

Meine Unterwäsche von Abra-Guard besteht aus Aramid.

Für alle die es interessiert, hier noch kurzer Ausflug in die verwirrende Welt der Benennungen und Eigenschaften von Aramid-Kleidung. Hier gibt es einen großen Unterschied zwischen der Reißfestigkeit und Hitzebeständigkeit verschiedener Aramid-Arten.

Aramid steht für ARomatische PolyAMIDe. Man unterscheidet hier zwischen meta-Aramid, para-Aramid und para-Aramid-Copolymere.

meta-Aramid hat eine hohe Temperaturbeständigkeit. Die mechanischen Eigenschaften (Festigkeit) sind aber vergleichbar mit der von normalen Textilfasern.

para-Aramid und para-Aramid-Copolymere hingegen sind extrem temperaturbeständig, reißfest und schmelzen nicht. Kevlar von Twaron sind z.B. ein p-Aramide.

Kann ich Bundeswehr Aramid Unterwäsche fürs Motorradfahren verwenden?

Nein. Wer denkt, mit der gängigen Bundeswehr Aramid Unterwäsche Geld sparen zu können, den muss ich leider enttäuschen. Diese besteht aus meta-Aramid und ist damit zwar hitzebeständig, aber nicht reißfest. Für uns Motorradfahrer also komplett ungeeignet.

Wie sicher ist Aramid?

Aramid (bzw. wie wir gerade gelernt haben: p-Aramid) ist extrem reißfest, abriebfest, schnittfest und temperaturbeständig bis 400°C.

Abra-Tex, der Hersteller meiner Aramid-Unterwäsche, hat seine Produkte von der TU-Darmstadt prüfen lassen. Dabei wurde der Aramid-Stoff bei 60, 80 und 100 km/h auf Abriebfestigkeit getestet. Auch bei 100 km/h wurde die vom Aramid geschützte Folie, die die Haut simulieren sollte, nicht beschädigt.

Hier ein Video zum Testablauf inklusive Testergebnis (Achtung: Laute Musik).

Welche Vorteile hat Aramid?

Aramid hat viele Eigenschaften, die uns Motorradfahrern das Leben leichter machen.

Beim Sturz schützt das abriebfeste und schnitthemmende Aramid deine Haut. Hohe Temperaturen können Aramid nix anhaben. Dadurch schmilzt der Stoff selbst bei der durch Reibung entstehenden Hitze nicht. Für kurze Zeit ist Aramid sogar resistent gegen Feuer.

Trotz der extremen Robustheit, ist Aramid weich und atmungsaktiv.

Aramid ist unanfällig gegenüber Lösungsmitteln, Salzwasser, Bakterien und Pilzen. Dadurch bleibt das Gewebe länger frisch.

Welche Nachteile hat Aramid?

Mein Abra-Guard Kauf war damals keine spontane Entscheidung. Lange Zeit hat mich der hohe Preis abgeschreckt. Für eine lange Unterhose 185€ (für die schwarze Variante) hinzulegen fällt einem zunächst nicht leicht. Neben dem hohen Preis, hat Aramid weitere Nachteile.

Aramid ist nicht UV-beständig. Da man es unter seiner Hose trägt, ist das zunächst kein Problem. Bei der Lagerung muss man dies aber berücksichtigen. Ich habe meine Aramid-Kleidung immer tief im Schrank vergraben. Nach einer langen Tour sollte man seine Aramid-Kleidung also nicht auf die Wäscheleine in die pralle Sonne hängen.

Ein weitere Nachteil ist die zusätzliche Wärme, die solch eine Unterwäsche abgibt. Bei hohen Temperaturen macht es sich (trotz der atmungsaktiven Eigenschaft) bemerkbar, wenn man eine weitere Schicht unter der Jeanshose trägt. Während der Fahrt merkt man das weniger, beim Stadtbummel mehr.

SGS Abra-Guard LongJohns im Test

Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns

Kurzer Hinweis vorweg. Auf meinen Bildern seht ihr kein brandneues, sondern ein seit 3 Jahren getragenes und regelmäßig gewaschenes Produkt. Es sah schon mal besser aus, hat sich aber insgesamt sehr gut gehalten.

Kommen wir zu den verschiedenen Varianten. Abra-Guard LongJohns gibt es in 3 Varianten: Urban, Overland und Touring. Sie unterscheiden sich nur in der Anzahl an Protektoren, der Aramid-Schutz ist bei allen Varianten der gleiche.

  • Urban ist die günstigste Variante. Sie hat keinerlei Protektoren und besteht aus einer Lage Aramid-Stoff. Dadurch ist diese Variante unter der Kleidung am wenigsten zu erkennen.
  • Overland hat auch keine Protektoren, aber an Gesäß, Hüften und Knie eine doppelte Lage Aramid-Stoff.
  • Touring ist die teuerste Variante. Sie hat hat Protektoren an der Hüfte und an den Knien und eine doppelte Lage Aramid-Stoff am Gesäß.
Abra Guard Urban, Overland und Touring
Urban, Overland und Touring

Ich möchte bei der Fahrt nicht auf Protektoren verzichten und habe daher damals zur Touring Variante gegriffen.

Das Problem mit der Einfärbung

Abra-Guard bietet die Aramid-Unterwäsche in gelb und schwarz an. Eigentlich war mir die Sache sofort klar. Gelb ist nicht meine Farbe, also schwarz. Aber warum war schwarz 30€ teurer?

Der Aufpreis für schwarze Aramid-Kleidung liegt an der Schwierigkeit, Aramid-Fasern zu färben. Ich habe dann in den sauren Apfel gebissen und trotzdem die schwarze Variante gekauft. Immerhin verbessert sich durch die Einfärbung die UV-Beständigkeit. Man sollte aber trotzdem auch die schwarze Aramid-Unterwäsche nicht in die Sonne hängen.

Wenn ich sie nicht gerade trage, lagere ich meine Aramid-Kleidung in einem Beutel im Kleiderschrank.

Karl-Marx stellt sicher, dass meine lichtempfindliche Unterwäsche keine Sonne abbekommt

Größe und Passform

Ich bin groß und schlank. Meine Größe basiert im Grunde nur auf meinen langen Beinen. Das macht den Hosenkauf schwierig. Längere Hosenbeine gehen meistens auch in die Breite. Zum Glück gibt es die Abra-Guard LongJohns optional mit einer 4 cm längeren Schrittlänge.

Damit bei der Fahrt und einem Sturz nix verrutscht, hält ein Gummi, welches unterhalb des Fußes getragen wird, die LongJohns sicher am Bein. Dank der überlangen Beine und des Gummis unterhalb des Fußes sitzen die LongJohns selber bei meinen dünnen, langen Beinen ideal.

Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns
Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns

Einstellbare Knieschoner

Bei Knieschonern ist es wichtig, dass sie perfekt sitzen. Sie sollen weder unterhalb des Knies hängen noch auf dem Oberschenkel liegen. Den Sitz der Knieschoner kann man bei meinen LongJohns einstellen. Hierzu gibt es in der Tasche am Knie an mehreren Position Nähte, die je nach Bedarf aufgetrennt werden können. Dadurch kann man die richtige Position gut einstellen.

Kevlar Unterwäsche Knie

So tragen sich die Aramid LongJohns

Mit dem Tragekomfort der LongJohns bin ich sehr zufrieden. Der Stoff ist angenehm weich und kratzt überhaupt nicht. Er fühlt sich wie Baumwolle und nicht wie ein abriebfestes Hochleistungsgewebe an.

Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns

Generell ist der Abra-Guard Aramidstoff atmungsaktiv und soll laut Hersteller nicht zusätzlich wärmen. Ich hatte jedoch zunächst das Gefühl, dass es trotzdem warm wurde, wenn ich mich abseits vom Motorrads bewegte (Supermarkt, Büro, Stadtbummel). Während der Fahrt war das kein Problem. Irgendwann kam ich dahinter, dass das nicht die Schuld des Aramids war, sondern von den Knieprotektoren kam.

Unter den Protektoren am Knie wird es beim Gehen schnell warm. Das kann man jedoch leicht beheben. Wer vor hat, die Unterwäsche auch abseits vom Motorrad zu tragen, sollte in einem unbeobachteten Moment einfach die Knieschoner entfernen. Das ist innerhalb von Sekunden erledigt und bringt beim Gehen einen hohen Komfortgewinn.

Abgesehen davon ist mir schnell zu warm und selten zu kalt. Das persönliche Wärmeempfinden dürfte hier also auch eine Rolle spielen. Wer zu kalten Knien neigt, kann die Protektoren einfach drin lassen 🙂

Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns
Die Protektoren können leicht entfernt werden
Aramid Kevlar Abra Guard LongJohns
Ohne Knieschoner hat man mehr Komfort beim Gehen

Wie reinigt man Aramid-Kleidung?

Die Reinigung der Aramid-Unterwäsche ist einfach. Bei 30°C zusammen mit einem Waschmittel für Funktionskleidung in die Waschmaschine stecken. Anschließend darf das Unterwäsche sogar im Schonprogramm im Trockner getrocknet werden.

Auf keinen Fall sollte man die Aramid-Kleidung mit Weichspüler oder Waschmittel mit Weichspüler-Bestandteil waschen. Das würde die Fasern verkleben und die Atmungsaktivität wäre dahin. Und das wäre im Sommer wirklich sehr bedauerlich.

Beachte außerdem, dass man die Abra-Guard Sachen mangels UV-Beständigkeit nicht zum Trocknen in die Sonne hängen darf.

Abra Guard Unterwäsche

Fazit zu den LongJohns

Ich bin mit meinem Kauf auch nach 3 Jahren noch sehr zufrieden. Durch die LongJohns konnte ich meine Hosen zu Motorradhosen transformieren. Der hohe Preis (ca. 185€ in der teuersten Variante) war damals schon eine Hürde, das Produkt dankt es einem aber mit hoher Sicherheit, Qualität und Langlebigkeit.

Positiv

Negativ

Ben
Ben
Auf Riderstyle stelle ich meine persönlichen Highlights aus der Welt der Motorrad Kleidung vor.

7 Antworten

  1. Klasse mal von jemandem zu lesen, der das Material schon Jahre regelmäßig trägt. Das ist viel aussagekräftiger als: „Habe ich vorige Woche gekauft, sitzt gut und ist angenehm zu tragen.“

    Dafür Danke!

    Als Träger einer Abraguard Urban (in Uringelb, aber das sieht man ja Gott sei dank nicht) kann ich deine Erfahrungen bestätigen. Bei mir folgt nun die Touring in schwarz.

    Hinsichtlich der „negativen Aspekte“ möchte ich dir aber in einigen Punkten widersprechen.
    Bedenke bitte, dass die Abraguard dich in deiner Kleidungswahl viel flexibler macht und damit den Kauf mindestens einer konventionellen Motorradhose spart und die Produktion der schwarzen Variante vergleichsweise aufwändige, zusätzliche Produktinsschritte erfordert. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder.

    Ansonsten ein Top-Bericht!

  2. Moin,
    schließe mich an, ein sehr guter Bericht.
    Nutze bereits seit vielen Jahren Abra-Guard Wäsche.
    Super flexibel im Einsatzbereich. Ob unter einer Jeans, einer normalen bequemen
    Lederhose oder auch unter einer leichten Motorrad-Funktionshose (wo ich dann die Protektoren entferne), alles ist möglich. Bei letzteren hat man dann auch gleich den Regenschutz. Dai ch persönlich eh lieber an nicht so warmen Tagen mit dem Motorrad unterwegs bin, kommt mir der zusätzlich wärmende Effekt entgegen

    AlsoDaumen hoch für absolut sinnvolle Wäsche und für deinen Bericht.
    Gruß Richard Lüken

  3. Danke für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht!

    Ich habe bisher immer nur und ausschließlich Lederkombis getragen und trotz ein paar Stürzen ist mir nie etwas schlimmeres passiert. Da die neuen Motorradjeans mittlerweile doch schon sehr viel mehr Sicherheitsfeatures mitbringen und darüber hinaus deutlich komfortabler sind, werde ich eine solche nun auch mal testen. Ich habe hier auch extra eine Aramidjeans mit Level-2 Protektoren gewählt (von 4SR), möchte mich aber nicht nur ausschließlich auf die Jeans verlassen. Schließlich hat man ja nur eine Haut. Kennst du denn auch noch andere Hersteller, die solche Produkte anbieten?

    1. Da gibt es tatsächlich wenig Auswahl. Bei reißfester Unterwäsche fallen mir für Deutschland gerade nur 2 andere Hersteller ein. Pando Moto mit der Pando Moto Skin UH2 und Bowtex. Bei Bowtex scheint die Unterwäsche aber ein Auslaufmodell zu sein. Zumindest ist sie kaum noch lieferbar. Ich denke mit Abra-Guard macht man nix falsch. Wenn jemand noch mehr Hersteller von Aramid Unterwäsche kennt, gerne schreiben.

  4. Super, vielen Dank für den Bericht! 🙂
    Ich fahre aktuell noch mit der John Doe Stroker – allerdings bin ich mit der Passform irgendwie nicht zufrieden. Am Bund recht eng, an den Schenkeln recht weit – hab sie mir sogar schon an den Knöcheln ein wenig enger nähen lassen…

    Würde gerne doch die eine oder andere Cargo oder Jeans beim Fahren tragen, aber auf ein Mindestmaß an Schutz nicht mehr verzichten wollen. Da scheint mir SGS die richtige Wahl zu sein.

    Nur kurz zur Passform: Welche Größe trägst du genau? Hab in Jeanshosen eine 34 und versuche nun rauszufinden ob M okay ist oder ich doch lieber zu L greifen sollte… Ist ja eigentlich sehr stretchy…

    Danke und LG

    1. Hi Markus, ich trage Größe L in der 4 cm längeren Version und habe eine Jeansweite von 32. Bei Jeans Größe 34 würde ich auf jeden Fall L nehmen, vielleicht sogar XL. Aber frag da lieber nochmal beim SGS Armorshop nach.

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